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Allgemeine Informationen

Durchmesser 12 104 km (rund 95 % der Erde)
Masse  4.8 ·10 24 kg (85 % des Volumens der Erde)
Dichte 5240 kg/m3
Mittlere Entfernung von der Sonne  108,2 . 106 km (0,72 AE)
Umlaufzeit um die Sonne rund 224 Tage 
Dauer der Eigenrotation 243 Tage
Temperatur an der Oberfläche 475o
Atmosphäre Kohlendioxyd, Stickstoff
Monde 0

 

Geschichte

 

Die Venus ist den meisten von uns als Morgen- bzw. Abendstern bekannt. In fast allen vorderasiatischen Kulturen galt Venus als weibliche Naturgottheit und trug viele andere Namen: Ischtar, Cybele, Isis, Astarte und im alten Griechenland Aphrodite. Sie war die Göttin der Gärten, des Liebreizes, der Liebe überhaupt und ein Symbol für Fruchtbarkeit und Fortpflanzung. Sie war die Urahnin und die Schutzgebende der Römer und wurde von vielen Cesaren auch zu politischen Zwecken missbraucht. Den Orakelsprüchen der Sibyllinischen Büchern zufolge, war sie die Geliebte des Mars. Auf dem Berg Eryx (Sizilien) stand ihr ältestes Heiligtum. In Griechenland war sie die "aus dem Meerschaum Geborene", entstieg nahe der Insel Kythera dem durch Uranos Blut getränkten Meer, denn Wasser, so wusste man es auch damals schon, ist die Grundlage jedes Lebens und Aphrodite so seine Spenderin.

Bei Homer (Ilias) ist sie Tochter des Zeus und der Okeanide Dione. Sie war eine mächtige Göttin, der nur Artemis, Hestia und Athene selbst nicht unterstanden. Sie herrschte über Menschen und Götter und bestrafte die hart, welche sich ihrem Willen nicht beugten. In Homers Götterwelt ist Aphrodite die Gemahlin des Hephaistos, der immer wieder in Eifersucht gegenüber ihren Liebhabern entbrennt. Einmal ließ er sie beim Liebesspiel mit Ares in einem Netz fangen und gab sie dem Gespött der anderen Götter preis. Eine besondere Beziehung sagte man ihr auch zum Jüngling Adonis nach. Sie war es auch, die von Paris als schönste Göttin  ausgezeichnet wurde (allerdings hatte sie ihm dafür Helena als Ehefrau versprochen). Sie trug einen Gürtel, in dem sie ihren Liebeszauber aufbewahrte und den sie hin und wieder auch verlieh, so an Hera, die Zeus verführen wollte.

 

 

 

 

Auf Abbildungen und Skulpturen wurde sie Anfangs noch bekleidet dargestellt, doch schon im 4. Jh. v. Chr. begann man ihre Hüllen fallen zu lassen, wodurch sie entweder halb oder ganz nackt war. Im Mittelalter bot man diesem "Treiben" Einhalt und sie wurde zum Symbol der irdischen Liebe, der Wolllust und der weltlichen Laster überhaupt. Erst in der Renaissance stieg Venus wieder als Göttin der Schönheit und der Liebe empor. Maler wurden nicht müde, Szenen aus ihrem Leben in Kunstwerke zu verwandeln - die "Schlummernde Venus" von Tizian, "Venus und Amor" von Cranach und die "Geburt der Venus" von Botticelli zeugen davon. "Das Urteil des Paris" wurde wohl zu einem der beliebtesten Themen. Aber auch Literaten wie Sappho, Euripides und sogar Shakespeare nahmen sich dieser Göttergestalt an.

Da die Venus oft so hell "strahlt" (sie reflektiert natürlich auch nur das Sonnenlicht), war sie nicht nur am Abend oder Morgenhimmel ein faszinierender Anblick, sondern überraschte mit ihrem Erscheinen sogar am Tageshimmel und war so für die Menschen aller Zeitepochen ein außergewöhnliches und reizvolles Ereignis.

1610 begann Galileo Galilei die Venus über einen längeren Zeitraum zu beobachten und stellte fest, dass sich ihre sichtbare Gestalt veränderte. Er erkannte die Schwankungen in ihrer Größe und beschrieb Sichelbildungen, die ähnlich unserem Erdmond waren. Noch war es ihm unmöglich, diese Erscheinungen zu erklären.

Im 18. Jahrhundert begann man die Venus mit optischen Hilfsmitteln zu betrachten, ohne jedoch Oberflächeneinzelheiten erkennen zu können. Man schloss schon damals daraus, dass dieser Planet von einer dichten Atmosphäre umschlossen sein musste. Leider war es dadurch auch unmöglich, ihre Rotationsdauer zu bestimmen und man ergoss sich in wilden Spekulationen. Auch immer wieder verfeinerte spektroskopische Untersuchungen konnten die Natur dieses Planeten nicht entgültig erklären. Man war an die Grenzen einer rein irdischen Beobachtung gestoßen. Unser heutiges Wissen über die Venus verdanken wir eine großen Anzahl von gestarteten Raumsonden, die den Planeten untersuchen sollten.

Physikalische Daten

 

Die Venus ist der zweite Planet in unserem System und umwandert die Sonne auf einer regelrechten Kreisbahn, die etwa in der Mitte zwischen Merkur und Erdbahn verläuft. Wie alle anderen Vertreter entstand sie vor rund 4,5 Mrd. Jahren durch das Zusammenballen kleinerer und größerer Gesteinskörper aus der von der Sonne abgestoßenen Urmassenscheibe. Wir zählen sie zwar zu den erdähnlichen Planeten, aber es gibt dennoch gravierende Unterschiede. Ihre Atmosphäre besteht zu einem großen Teil aus lückenlosen Wolken von Schwefelsäure und durch ihre Sonnennähe herrschen Temperaturen, die Blei schmelzen könnten. Ehemals ausgetretene Gase hatten zwar ihre Atmosphäre gebildet, konnten aber kein flüssiges Wasser erzeugen, denn durch die enorm hohen Temperaturen kam es zu keinerlei Kondensation. (Würde jedoch all der Wasserdampf ihrer Atmosphäre ausfallen, so stünde an ihrer Oberfläche das Wasser 40 cm hoch.)  

     

Wasserdampf und Kohlendioxid führten zu einem Treibhauseffekt, der die Temperatur nur noch ansteigen ließ. Die von der Sonne kommende ultraviolette Strahlung spaltete das Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff. Der Wasserstoff verflüchtigte sich nach und nach ins All - der Sauerstoff wurde gebunden. Vor rund 600 Millionen Jahren bildete sich eine Oberfläche, die von kleinen Vulkanen nur so übersäht ist. Die sehr starre Kruste führte dazu, dass sich im Innern der Venus Energien aufbauten, der Druck anstieg, und letztlich heiße Gesteinsmassen austraten und sich über die Oberfläche ergossen. Das Magma erkaltete, die Kruste verhärtete erneut und der Vorgang wiederholte sich.

 

 

Das Ergebnis war eine recht flache Landschaft mit nur wenigen Erhebungen unter einem Kilometer. Eine tektonische Umschichtung, wie auf der Erde, scheint es auf der Venus nie gegeben zu haben. Temperaturunterschiede und chemische Prozesse formen bis heute die sehr unterschiedliche Oberflächenstruktur. Der bodennahe Druck übersteigt den der Erde um das 90fache. Nur der langwellige Rotanteil des Sonnenlichtes vermag durch die dichten Wolken zu dringen, wodurch sowohl der Himmel, als auch die Landschaft in Rot getaucht wird.

     

Alles in allem ist die Venus also ein sehr unwirklicher und lebensfeindlicher Planet. 

Interessant ist, dass der Planet selbst rund 243 Tage für eine Umdrehung benötigt, die Wolken ihrer Atmosphäre hingegen sich in nur knapp 4 Tagen um die Venus herum bewegen. Die Eigenrotation der Venus verläuft von Ost nach West. Die Sonne geht auf ihr also im Westen auf und im Osten unter. Nach einem Sonnenuntergang vergehen dann aber rund 118 Tagen bis zu ihrem nächsten Erscheinen. 

Raumsonden konnten durch Radaruntersuchungen die gesamte Oberfläche der Venus kartographieren. Die Aufnahmen ihrer Oberfläche im oberen Teil dieser Seite sind somit keine "echten" Fotos, sondern wurden aus Radarabtastungen der Raumsonde "Magellan" rekonstruiert. 


Venus an unserem Himmel

Mehr Informationen zur Entstehung der Venusphasen ?

Die Venus gehört, ebenso wie Merkur, zu den inneren Planeten, d.h. ihre Umlaufbahn liegt zwischen der der Erde und unserem Zentralgestirn. Dadurch steht sie, von uns aus gesehen, entweder rechts oder links von der Sonne und erreicht dabei einen maximalen Winkelabstand von 47o (nicht mit dem Phasenwinkel j zu verwechseln !). Auf Grund dieser "Pendelbewegung" geht sie  manchmal vor der Sonne im Osten (als Morgenstern) oder nach deren Untergang im Westen (als Abendstern) auf. Die Höhe der Venus über dem Horizont ist begrenzt, was aus der nachfolgenden Grafik deutlich hervorgeht.

 

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Berlin, im September 2002