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Saturn zeigt sich die ganze Nacht

Christiaan Huygens

 

Saturn aufgenommen vom Cassini Orbiter

 

»Annulo cingitur, tenui, plano, nusquam, cohaerente, ad eclipticam inclinato«

»Er ist von einem Ring umgeben,

welcher dünn und flach ist,

nirgends mit ihm zusammenhängt

und gegen die Ekliptik geneigt ist.«

Diesen bedeutsamen Satz, welcher in die Astronomiegeschichte einging, schrieb im Jahre 1659 der große holländische Physiker Christiaan Huygens (1629-1695) über Saturn - den damals äußersten bekannten Planeten in unserem Sonnensystem. Er hatte den Planeten in seinem selbstgebauten Teleskop beobachtet und bereits 1655 den Saturnmond Titan entdeckt. Nach der Erde und dem Jupiter war so auch bei einem weiteren Planeten ein Mond nachgewiesen worden.

Huygens erkannte auch, dass die Saturnringe rund alle 14 Jahre verschwinden, da wir, bedingt durch sich verändernde Winkelstellungen, zu diesem Zweitpunkt nur auf ihre sehr dünne Kante blicken, wodurch sie natürlich nur scheinbar unsichtbar werden.

Zeichnung Christiaan Huygens aus dem Jahre 1659

Zuvor hatte man nur mit bloßem Auge beobachtet, oder, so wie Galilei, mit einem Teleskop gearbeitet, dessen Vergrößerung und Auflösungsvermögen nicht ausreichte, um eine solch entscheidende Feststellung treffen zu können.

Galilei hatte zwar den Planeten auch im gerade erfundenen Fernrohr gesehen, aber außer zwei kleinen Rundungen links und rechts nichts entdecken können. Fälschlicherweise deutete er sie als Begleiter des Saturn.

Einige Jahre darauf fand er diese Begleiter nicht mehr und nahm an, sich bei der ersten Beobachtung geirrt zu haben und verlor, so sagt man, das Interesse an Saturn.

Etwas früher - 1645 - war F.M. Grimaldi nur die Abplattung des Planetenkörpers aufgefallen, doch es sollte nicht mehr lange dauern, bis G.D. Cassini 1675 die noch heute nach ihm benannte erste grobe Teilung der Ringe entdeckte. Er wagte sogar die Vermutung, dass dieses Ringgebilde aus unzähligen kleineren Segmenten besteht.

 

Giovanni Domenico Cassini 

Eine weitere Teilung des Ringsystems wurde 1838 von J.G. Galle entdeckt, der einen inneren Ring, der fast bis an den Planeten reicht, beschrieb. Heute wissen wir, dass das System aus Tausenden von Einzelringen zusammengesetzt ist. 

Jedem kommt bei Erwähnung des Planeten Saturn zunächst dessen imposantes Ringsystem in den Sinn, das wir heute, dank zu ihm gesandter Raumsonden, in beeindruckender Detailauflösung vor Augen haben. Die Dimensionen dieses Ringes sind im Sonnensystem einzigartig, auch wenn Saturn nicht der einzige Planet ist, der von einem Ring umgeben wird.

Da Saturn sich uns zu unterschiedlichen Zeiten in verschiedenen Planetenstellungen zeigt, erblicken wir sein Ringsystem nicht immer in gleicher Position, denn es ist in einem Winkel von rund 27 Grad zur Bahnebene des Planeten geneigt. So kommt es, dass in einigen Jahren der Ring weit geöffnet ist und in einigen Jahren fast verschwunden scheint, was natürlich nicht der Fall ist. Das Ringsystem ist nur so weit gekippt, dass wir auf seine nicht besonders dicke Kante blicken. Es liegt horizontal zu uns. So kam es auch, dass G. Galilei sich ehemals getäuscht fühlte. Sein "Schwanken" lässt uns zudem manchmal auf die Nord- und manchmal auf seine Südseite sehen. Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass der Ring für uns ebenso unsichtbar ist, wenn sich die Erde in der so genannten "Knotenlinie" des Ringes befindet, wir uns also in dessen Ebene aufhalten.

Aktuell ist der Ring mit 26,0 Grad zu unserer Sichtlinie sehr weit geöffnet, wodurch fast der Maximalwert erreicht wird. Es ist die breiteste Öffnung seit dem Jahr 2006. Wer noch nie einen Teleskopblick auf Saturn geworfen hat, sollte dies in den kommenden Tagen unbedingt tun!

 

Saturn bewegt sich, auf Grund seiner Entfernung, er ist fast doppelt so weit von uns weg wie Jupiter, nur sehr langsam über unseren Himmel und bleibt durchschnittlich fast 2,5 Jahre in einem Sternbild. Er ist ein Gasriese und nur "wenig" kleiner als Jupiter. Seine Dichte ist so gering, dass er in einem Ozean aus Wasser schwimmen würde.

Saturnopposition 2016

Saturn ist der von der Sonne am weitesten entfernte Planet, den man noch mit bloßem Auge sehen kann. Durch unsere jährliche Wanderung um die Sonne, bringt uns die Erde immer wieder zwischen unser Zentralgestirn und den Planeten. In der Astronomie nennt man diese Konstellation Opposition. Saturn steht, von uns aus gesehen, der Sonne gegenüber (siehe Abb. weiter unten). Jedes Jahr verschiebt sich diese Oppositionsstellung um etwas 2 Wochen. Am 03. Juni 2016 ist es wieder einmal soweit und der Ringplanet kann die ganze Nacht über am Himmel beobachtet werden.

In Oppositionsstellung kommen die jeweiligen Planeten der Erde am nächsten – sie sind deshalb besonders hell und zeigen sich im Teleskop mit dem aktuell größtmöglichem Durchmesser. Saturn ist nur rund 1350 Millionen Kilometer von uns entfernt. Sein Planetenscheibchen, wir blicken aktuell auf die Nordhalbkugel und die Nordseite des Ringes, zeigt sich im Teleskop derzeit mit einem scheinbaren Durchmesser von 18,5 Bogensekunde. Bezieht man den Ring mit ein, kommt man sogar auf einen Wert von 41,5 Bogensekunden. Die scheinbare Helligkeit des Planeten sinkt im Laufe des Juni nur leicht von von stolzen 0,0 auf 0,2mag. Das liegt u.a. daran, dass das weit geöffnete Ringsystem mehr Sonnenlicht als sonst reflektieren kann. Heller wird Saturn an unserem Himmel nur selten.

Leider sind die Beobachtungsbedingungen in diesem Jahr nicht wirklich ideal, auch wenn Saturn bereits nach Einbruch der Dunkelheit im Südosten aufgeht und uns die ganze Nacht über nahe der Krone des Skorpions begleitet. Sowohl die Abend- als auch die Morgendämmerung machen es schwer, den Planeten in den Dunstschichten der Atmosphäre auszumachen und ihn somit zu Beginn und am Ende der Nacht zu sehen.

Der Schlangenträger, in dem sich Saturn derzeit mit rückläufiger Bewegung auf den Skorpion zubewegt, breitet seine Sterne zwar bis in eine Höhe von 50 Grad aus (0 Grad ist die Horizontlinie und 90 Grad ist der Zenit), doch Saturn hält sich im unteren Teil des Sternbildes auf. Zur Kulminationszeit um Mitternacht (MEZ), bzw. 01.00 Uhr MESZ, in der Saturn seinen höchsten Punkt über unserem Horizont erreicht, steht er am 03.06.2016 nur 18,5 Grad hoch. Hier liegt dennoch die beste Zeit, den Gasriesen im Teleskop zu beobachten. Nach dem Tag seiner Opposition verfrüht sich seiner Kulmination täglich um 4 Minuten und Saturn wird so stetig immer weiter nach Westen wandern. Er wird zunehmend ein Gestirn der ersten Nachthälfte werden und im November bereits kurz nach Sonnenuntergang verschwinden.

Aktuell aber ist er, aufgrund seiner Helligkeit, für jeden leicht zu finden. Das helle, ruhige Licht, indem der Planet »erstrahlt« (natürlich reflektiert er nur das ihn ihn erreichende Sonnenlicht), unterscheidet ihn sehr deutlich von den ihn umgebenden Sternen. Nur der westlich von ihm stehende Mars, der seinen Oppositionspunkt vor nur knapp zwei Wochen am 22. Mai erreichte, übertrifft ihn in dieser Hinsicht deutlich.

Saturn am Nachthimmel im Juni 2016 

Saturn erscheint an unserem Himmel leicht gelblich. Manche bezeichnen seine Farbe sogar als golden. Obwohl sein Ringsystem gewaltig ist, muss ich Fernglasbeobachter erst einmal enttäuschen. Mehr als eine kleine Verdickung der Planetenscheibe wird mit kleineren Geräten kaum zu sehen sein. Man benötigt eine mindestens 30fache Vergrößerung und ein lichtstärkeres 40 mm Objektiv um den Ring deutlicher sehen zu können.

Jeder Zuwachs an Vergrößerung bringt dann natürlich enorme Bildverbesserung. Ab einer mindestens 60fachen Vergrößerung können Sie die feine Trennlinie innerhalb des gesamten Ringes sehen. Sie unterteilt die Struktur um Saturn in den A- (den äußeren ) und den B-Ring. Ab einer 100fachen Vergrößerung erspähen sie bereits den innersten C-Ring, das blau-ockerfarbene südliche Äquatorband,  kleinere Wolkenstrukturen und einen Teil der Polgegend. Haben Sie etwas Geduld - es lohnt sich ! 

Ab einer 150fachen Vergrößerung, bei einem 100/900mm Objektiv, kann Saturn richtig unter die Lupe genommen werden. Selbst Schatten, die der Ring auf den Planetenkörper wirft, werden nun sehr gut sichtbar.

Details des Ringes erblicken Sie mit Instrumenten, die mindestens über eine 200 mm Öffnung verfügen.

Der größte Saturnmond Titan, der mit einem Durchmesser von 5150 km gleichzeitig der zweitgrößte Mond in unserem Sonnensystem ist (er ist größer als Merkur !), kann auch schon in einem Fernglas als kleines Lichtpünktchen gefunden werden. Beachten Sie wie immer bei Fernglasbeobachtungen: nicht aus freier Hand heraus arbeiten, sondern immer ein Stativ verwenden. Auch der entspannteste Beobachter zittert zu stark.

Obwohl Saturn gar nicht so hell ist und auch im scheinbaren Durchmesser nicht an Jupiter heranreicht, erscheint uns sein Anblick im Teleskop auf Grund seines Ringes dennoch überwältigend. 

Lassen Sie auch Freunde und Bekannte an diesem Anblick teilhaben. Live-Bilder dieses Planeten hinterlassen einen faszinierenden und bleibenden Eindruck !

Auf- und Untergangszeiten für Saturn

(Angaben gelten für Jena in MEZ)
Datum Aufgang Untergang Kulmination Kulm. Höhe

01.06.2016
02.06.2016
03.06.2016
04.06.2016
05.06.2016
06.06.2016
07.06.2016
08.06.2016
09.06.2016
10.06.2016
11.06.2016
12.06.2016
13.06.2016
14.06.2016
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30.06.2016

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Link-Tipps (externe Seiten):
 
Video mit Prof. Harald Lesch
"Warum hat der Saturn Ringe?"
alpha-Centauri Sendung vom 20.07.2014 (ARD-alpha)
 

externer Link zur alpha-Centauri-Sendung

 

Mehr über die Physik des Planeten Saturn ?


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© Richard Nachtigall 2002-2016

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Berlin, im September 2002