Home - Der Südhorizont in diesem Monat - Teil 2


Was sehen wir Mitte Juni am Sternenhimmel?

auf dieser Seite:

das Sternbild Leier

das Sternbild Schwan

das Sternbild Adler

 


Das Sternbild Leier

   

Als zweithellster Stern am nördlichen Himmel steht die Vega, Hauptstern der Leier, bereits in großer Höhe. Nur Sirius aus dem Großen Hund kann sie an Helligkeit übertreffen, der ihr in physikalischer Hinsicht recht ähnlich ist, abgesehen davon, dass er der Vega in Größe und Leuchtkraft etwas unterliegt. Untersuchungen ergaben, dass die Vega von einer Wolke aus festen Partikeln umgeben ist, die den gröberen Teilchen unseres Sonnensystems ähneln, die u.a. das Zodiakallicht in der Erdatmosphäre hervorrufen. Einige Wissenschaftler sehen darin einen Hinweis auf ein eventuell vorhandenes Planetensystem um diesen Stern. Im Fernglas erscheint sie uns als hellblau-weiße Sonne, die unser Zentralgestirn in ihrer Größer allerdings um mehr als das Doppelte übertrifft.

Das bekannteste Objekt in diesem Sternbild ist der Ringnebel M57, der 1779 von Antoine Darguier entdeckt wurde. Seine Position liegt fast genau zwischen b und g Lyrae. Im Fernglas und in  kleinen Fernrohren erblickt man einen grauen, ovalen Fleck. In größeren Instrumenten (ab 100 mm Objektivdurchmesser und 70facher Vergrößerung) kann bereits die Ringform dieses planetarischen Nebels gesehen werden. Mit zunehmender Vergrößerung zeichnet sich der "Rauchring" immer deutlicher und heller ab. Im starken Kontrast zu ihm liegt der innere Teil von M57, in dessen Zentrum noch heute ein Rest des vor rund 20 000 Jahren explodierten Sterns zu finden ist, welcher seine Gashülle in den Weltraum schoss und so den Nebel erzeugte. Allerdings strahlt dieser weiße Zwerg an unserem Himmel nur noch mit einer Helligkeit von 14,m7.

   

Um ihn auszumachen benötigen Sie bereits ein optisches Instrument mit 350 mm Öffnung. Die Gasmassen expandieren mit einer Geschwindigkeit von 30 km/s bis in unsere Tage, wobei sich der Ring jährlich um 1" an unserem Himmel ausdehnt.

Abgesehen vom beeindruckenden Anblick, der sich uns bietet, bietet die Beobachtung von M57 noch einen weiteren interessanten Aspekt - Sie blicken auf die Zukunft in unserem Sonnensystem. In etwa 5 Milliarden Jahren wird die Sonne ihre Gashülle ebenfalls abstoßen und mit hoher Wahrscheinlichkeit einen ähnlichen planetarischen Ring erzeugen.

In der kosmischer Realität ist der Ringnebel jedoch eine leicht abgeplattet gigantische Gaskugel, in deren Randgebiet sich längs des Sehstrahls mehr Gas befindet, wodurch M57 sein charakteristisches Aussehen erhält.

 

 

Das Sternbild Leier enthält noch weitere Objekte:

- den schönen Doppelstern - e Lyr, bei dem es sich genau genommen sogar um ein Vierfachsystem handelt, denn jeder der beiden Komponenten besitzt wiederum einen Begleiter; dieses doppelte Doppelsystem wurde bereits 1779 von Wilhelm Herschel beobachtet. Beobachtern mit einem scharfen Auge sollte es gelingen, die beiden Hauptmitglieder auch ohne Fernglas zu trennen; um allerdings alle 4 Sterne erkennen zu können, benötigt man ein Teleskop von mindestens 75 mm Öffnung; mit unserem Blick überbrücken wir etwa 160 Lichtjahre

- b Lyr (Sheliak), einen Bedeckungsveränderlichen, der in einer Periode von rund 13 Tagen zwischen den Helligkeiten von 3,3 und 4,3mag pendelt

- und die Doppelstern g  und z Lyr.

 

 
Das Sternbild Schwan

 

Das Sternbild Schwan steht genau über dem galaktischen Äquator. Da es in seiner Form an ein großes Kreuz erinnert, trägt es auch den Beinnamen "Kreuz des Nordens" (ein Pendant zum Sternbild Kreuz des Südens am Sternenhimmel der Südhalbkugel unserer Erde). Sein Hauptstern Deneb  (arab. Dhanab = Schwanz) ist an Orten oberhalb des 60. Breitengrades zirkumpolar, d.h. er verschwindet nie unter dem Horizont, sondern kreist, wie alle anderen Sterne im übrigen auch, um den Polarstern an unserem Himmel. Er ist ein Stern der 1. Größenklasse, ein hellblauer Überriese, erreicht eine Helligkeit non 1,m2 und ist nur rund 3200 Lichtjahre von uns entfernt. Unsere Sonne müsste 100 000 mal stärker strahlen, um seine Leuchtkraft zu erreichen. Zu den schönsten Doppelsternen am Nachthimmel gehört b Cygni. Albireo, was so viel wie "Schnabel" bedeutet, teilt sich bereits im Fernglas in einen rötlich und einen bläulich-weißen Stern auf.

 

Ganz in seiner Nähe findet sich der Nordamerikanebel NGC 7000, der rund 2500 Lichtjahre von uns entfernt ist und 1891von Max Wolf entdeckt wurde. Sein Gesamtdurchmesser liegt bei rund 100 Lichtjahren.

Dieser galaktische Nebel verdankt seinen Namen dem Umstand, auf fotografischen Aufnahme eine große Ähnlichkeit mit dem nordamerikanischen Kontinent zu besitzen. Unter guten Sichtbedingungen kann man NGC 7000 schon mit einem Fernglas finden. Wer allerdings glaubt, durch starke Vergrößerung ein besseres Bild zu bekommen, den muss ich leider enttäuschen. Natürlich wächst die Helligkeit des Objektes mit zunehmendem Objektivdurchmesser, doch die Vergrößerung sollte gering und somit das Gesichtsfeld groß gehalten werden. Nur so hebt sich die chaotische Ansammlung aus absorbierender Materie und hellem Nebel am besten vor dem Hintergrund ab.

 
Für das Fernglas bieten sich noch 2 offene Sternhaufen im Schwan: M29 und M 39.
 

M29 ist rund 4000 Lichtjahre entfernt und erstreckt sich in Wahrheit über 10 Lichtjahre. Inmitten der Milchstraße wurde dieses Objekt südöstlich von g Cygni 1764 von C. Messier entdeckt.

Lassen Sie sich durch das sternenreiche Gebiet, in dem sich M29 befindet, nicht abschrecken und richten Sie Ihren Blick mit einem 7x50 oder 11x80 Fernglas ruhig einmal auf ihn - sie werden zunächst einen Nebelfleck erkennen, der sich in etwa 6 Sterne auf nur geringem Raum auflösen lässt.

Im Teleskop lassen sich zwar mehr Mitgliedssterne erkennen, 15 bis 20, doch wie bei vielen offenen Sternhaufen dieser Art wirkt auch M29 bei kleinen Vergrößerungen einfach schöner.

Man schätzt das Alter dieses Sternhaufens auf rund 10 Millionen Jahre und auch wenn seine Beobachtung nicht ganz einfach ist, sollten Sie dennoch einen Blick auf ihn riskieren !

 

 

M39 ist nur rund 820 Lichtjahre entfernt und erstreckt sich über ein so großes Gebiet, dass er kaum in das Gesichtsfeld astronomischer Instrumente passt. Entdeckt wurde dieser offene Sternhaufen 1750 von Le Gentil rund 9 Grad nördlich von Deneb, dem Hauptstern des Schwans.

Es empfiehlt sich auch in seinem Fall, ein Fernglas für die Beobachtung zu benutzen. Richten Sie Ihr Instrument, das wie immer auf einem Stativ befestigt sein sollte, auf Deneb und schwenken Sie dann leicht in nördliche Richtung, bis Sie auf eine Dreiecksform stoßen, die aus etwa 20 Sternen besteht und die sich durch ihre Helligkeit deutlich von den sie umgebenden Sternen abhebt.

Wie auch bei der Beobachtung von M29 erbringt eine stärke Vergrößerung, bzw. die Betrachtung in einem Teleskop zwar eine größere Zahl von Sternen - die Lichtstärke und das passendere Gesichtsfeld eines leistungsstarken Fernglases wiegt diesen Vorteil im Bezug auf den Eindruck, den ein solches Gebilde auf uns macht, jedoch wieder auf.

Gerade die Geduld, die man beim Aufsuchen von derartigen Objekten in der Milchstraße an den Tag legen muss, stellt eine ganz spezielle Herausforderung an den Beobachter dar.

 

 
Das Sternbild Adler
 

 

Zur Vergrößerung der Sternkarte: Bild anklicken !

Vergrößerung der Sternkarte:

Bild anklicken

Hauptstern dieser Konfiguration ist Atair, ein Stern, der nur 16,8 Lichtjahre von uns entfernt ist. Damit gehört er zu unseren "Nachbarn". Er ist rund 1,5 mal größer als unsere Sonne, dreht sich aber mit viel größerer Geschwindigkeit um sich selbst. In nur 6,5 Stunden hat er sich einmal um seine eigene Achse gedreht. Die Temperatur des Sterns liegt bei 8000 Kelvin, wodurch er die Leuchtkraft unserer Sonne um das 10fache übertrifft. Atair, was aus dem Arabischen übersetzt "der Fliegende" (arab.:Al ta`ir) bedeutet, ist ein optischer Doppelstern. Beide Komponenten, die in einem Abstand von 165 Bogensekunden zueinander stehen, können schon im Fernglas getrennt werden. 

Ein weiteres interessantes Objekt, das schon im Fernglas gefunden werden kann, ist NGC 6709, ein offener Sternhaufen, der rund 7mag hell ist und in einer Entfernung von 2500 Lichtjahren zu uns steht. Eine Auflösung in die etwa 40 Einzelsterne gelingt aber erst in Teleskopen. Auch NGC 6755 ist ein offener Sternhaufen. Seine Mitglieder sind Sterne ab der 12. Größenklasse und somit nur für Beobachter mit lichtstärkeren Teleskopen zugänglich. Noch schwerer zu beobachten ist NGC 6760, ein sehr sternenreicher Kugelsternhaufen, der nur 9,1mag hell ist.

 

Quer durch das Sternbild verläuft die Milchstraße. Ein Blick auf die "Seitenansicht" unserer Galaxis lohnt immer, egal ob mit Fernglas oder Teleskop.

 

auf dieser vorherigen Seite in diesem Monat:

das Sternbild Schlange

das Sternbild Schlangenträger

das Sternbild Herkules

das Sternbild Schütze

das Sternbild Skorpion

Beobachtungsmöglichkeiten und Positionskarten finden sie unter:  

Objekte des Sternenhimmels für die Fernglasbeobachtung und Liste von Doppelsternen

aktuelle Sternkarten für den gesamten Himmel 


© by Richard Nachtigall 2002-2016

Die konzeptionelle und gestalterische Darstellung dieser Seite unterliegt dem Copyright im Sinne des Urheberrechts ! Das gesamte oder teilweise Kopieren der Grafiken und der Texte ist nicht erlaubt und die inhaltliche Umsetzung auf dieser Seite darf in keiner Weise für kommerzielle Zwecke genutzt werden !

Berlin, im September 2002