Home - Themenseiten - Beobachtung des Sternenhimmels - Teil 2




Das Rüstzeug des Himmelsjägers

Nachdem wir uns zuvor mit dem geeigneten Beobachtungsort beschäftigt haben und feststellen konnten, dass die Meisten von ihnen ersten Ausflüge an den Nachthimmel vermutlich von zu Hause aus starten können, wenden wir uns als nächstes der Vorbereitung einer Beobachtung und dem Instrumentarium ihrer "Sternwarte" zu.

Die wichtigsten Regeln für die Vorbereitung:

 1.      Passen Sie ihre Kleidung den Wetterbedingungen an!
    
     
   

Ein Beobachtungsabend ist nicht nach 5 Minuten beendet! Planen sie Zeit ein und ziehen sich so an, dass sie auch bei einem längeren Aufenthalt im Freien nicht frieren. Selbst in Sommernächsten kann es empfindlich kalt und feucht werden. Ein fröstelnder Körper ist der Feind jeder Beobachtung. Nicht nur, dass sie sich unwohl fühlen, sie können auch astronomische Geräte mit klammen Fingern und zitternden Händen nur schwer bedienen. Manch ein vielversprechender Abend mit Freunden, der dem Sternenhimmel gewidmet war, fand durch falsche Kleidung einen frühen und jähen Abbruch. Unterschätzen sie also diesen Faktor nicht!

    
    
 2.      Sorgen sie für eine bequeme Beobachtungshaltung!
    
     
   

Einfach nur den Kopf gen Himmel recken, kann nach einiger Zeit sehr anstrengend sein. Ein schmerzendes Genick ruiniert jede Himmelstour. Auch ein einfacher Stuhl ist dabei nicht immer hilfreich, denn auch in ihm muss der Kopf eine unnatürliche Haltung bei größeren Höhen annehmen. Viel geeigneter ist zum Beispiel ein Liegestuhl, der auch im Winter benutzt werden kann, denn letztlich ist es nur eine Frage der Kleidung, mit der sie sich in den Liegestuhl setzen, auch wenn ich sie nicht auffordern werde, sich in der kalten Jahreszeit stundenlang in einen Liegestuhl zu setzen. Sorgen sie im Winter ruhig für warme Getränke, selbst wenn sie nur auf der Terrasse beobachten. Schnell mal in die Wohnung gehen, um etwas zu holen ist nachteilig, denn

    
    
  3.      Ihre Augen müssen sich erst an die Dunkelheit gewöhnen!
    
     
   

Jeder hat schon einmal die Erfahrung gemacht, dass unsere Augen mit einem schnellen Helligkeitswechsel der Umgebung nur schwer zurechtkommen. Tritt man aus einem hellen Zimmer in einen dunklen Raum oder in die Nacht, so ist man für kurze Zeit blind für die Dinge, die man nach einiger Zeit deutlich erkennen kann. Unsere Augen brauchen eine Weile, bis sie sich an die anderen Lichtverhältnisse gewöhnt haben, sie "neu eingestellt" sind. Diesen Vorgang nennt man Augenadaption und der dauert mindestens 20 Minuten. Planen sie diesen Umstand großzügig ein. Je länger sie den Augen Zeit geben, sich umzustellen, um so mehr werden sie sehen. Eine nachfolgende Unterbrechung, wie z.B. das Betreten einen hellen Raumes, ja sogar das starke Strahlen einer Taschenlampe, unterbricht die erreichte Lichtempfindlichkeit und man muss wieder von vorn beginnen. Eine direkt in ihrer Nähe stehende Straßenlaterne oder stetig auftauchende Autoscheinwerfen sind deshalb ebenso ungünstig und lassen Augen ihr vorhandenes Potential nicht nutzen oder längerfristig auf einem Niveau.

Im übrigen ist eine "Vorlaufzeit" nicht nur für die Augen entscheidend, sondern bieten auch den eventuell vorhandenen optischen Geräten Gelegenheit, sich an die äußeren Wetterbedingungen anzupassen. Diesbezüglich sollte sogar ein Zeitintervall von mindestens 30 Minuten geschaffen werden. Optische Geräte sollten also bereits frühzeitig an den Beobachtungsplatz verbracht werden.

    
    
  4.      Legen sie sich eine Drehbare Sternkarte zu!
    
     
   

Zu Beginn ihres Vertrautmachens mit dem Sternenhimmel brauchen sie weder einen Sternatlas, noch ein Computerprogramm. Je einfacher die Vorlage des nächtlichen Himmels ist, die sie benutzen, um so besser. Der Handel stellt eine große Anzahl von unterschiedlich großen Drehbaren Sternkarten zur Verfügung. Und diese kosten wirklich nicht viel !

Eines ist allen gemeinsam: mit ihrer Hilfe kann man den Sternenhimmel zu einem bestimmten Zeitpunkt ablesen. Diese Sternkarten bestehen hauptsächlich aus zwei Teilen - der kreisrunden Sternkarte, die entweder den Nord- oder den Südhimmel unseres Planeten abbildet, und einer auf ihr angebrachten Drehbaren Scheibe, mit deren Hilfe man am Rand dem jeweiligen Datum eine Uhrzeit zuordnen kann. Die drehbare Folie besitzt eine durchsichtige Horizontfläche, innerhalb derer der Himmelsausschnitt, welcher zur Beobachtungszeit sichtbar ist, angezeigt wird. Auch wenn diese Sternkarten für eine bestimmte geographische Breite erstellt wurde, genügt die Genauigkeit unseren Bedürfnissen vollkommen. Kaufen sie keine zu kleine Sternkarte. Die Sterne sind auf Minikarten meist schlecht eingezeichnet und zudem erleichtert uns eine große Abbildung die dimensionale Vorstellung erheblich.

Meist ist auf der Drehscheibe auch noch ein vereinfachtes Gitter des Horizontsystems vorhanden, was die Positionsbeschreibung in Höhe und Azimut etwas vereinfacht. Eines müssen sie jedoch beachten: der Himmelsausschnitt ist nach Süden ausgerichtet. Auf ihrer Karte ist links Osten und rechts Westen. Blicken sie also nach Norden, ist die Karte seitenverkehrt zu benutzen. Eine Anleitung zur genauen Benutzung der Drehbaren Sternkarte finden sie entweder auf der Rückseite der solchen oder in einem Beiheft.

    
    
  

    
    
   

Mit Hilfe der Drehbaren Sternkarte, die sie, wenn überhaupt, nur mit einer sehr schwach leuchtenden Taschenlampe benutzen sollten (manche Sternkarten werden jedoch gleich mit einer Speziallampe angeboten), können sie sich Stück für Stück mit den auf ihr verzeichneten Sternbildern vertraut machen. Suchen sie sich helle Sterne zur Orientierung und vervollständigen sie jede Figur so gut es ihnen gelingt.

Prägen sie sich die Anordnung der Sterne ein und beobachten sie, wie sich die Stellung eines bestimmten Sternbildes innerhalb einer Nacht oder im Laufe der Tage zur gleichen Uhrzeit verändert. Das Training, Sternbilder jederzeit und an jedem Ort wiederzufinden, ist wohl das wichtigste, denn nur durch dieses ist ihnen eine schnelle Orientierung am Nachthimmel möglich. Die Stellung von Planeten werden oft mit dem Verweis auf ein bestimmtes Sternbild verknüpft, in dem sich ein solcher gerade aufhält. Ohne genaue Kenntnisse der Sternbilder würden sie meist nur rätseln.

Verfolgen sie, wie der Anblick des Nachthimmels innerhalb eines Jahres wechselt, wie Sterne auf und Untergehen und wie zirkumpolare Sternbilder, niemals untergehend, um den Nordstern kreisen.

    
    
    
   

Es sei angemerkt, dass man mit einer Drehbaren Sternkarte noch weitaus mehr machen kann, als das Auffinden von Sternbildern zu üben. Zusätzliche Markierungen biete eine Fülle von Möglichkeiten, um mit diesem einfachen Instrument dennoch effektiv arbeiten zu können. Sie wird also immer wieder auf späteren Seiten auftauchen.

    
     
   

Was sie zu Beginn mit Hilfe der Sternkarte jedoch noch üben sollten, ist die Namen der hellsten Sterne zu lernen. Auch diese sind auf der Sternkarte vermerkt. Sollten sie irgendwo gehört oder gelesen haben, dass zum Beispiel ein Planet oder der Mond heute Abend sehr nahe des Regulus steht, wird es ihnen sehr leicht fallen, die Konstellation zu finden, denn sie wissen, dass Regulus Hauptstern des Löwen ist, werden das Sternbild finden, Regulus sofort erkennen und so ohne Mühe am Himmelsschauspiel teilhaben.

    
     
  5.      Beginnen sie in der Abenddämmerung zu beobachten!
    
     
   

Dem ungeübten Auge kommt es entgegen, wenn die Zahl der zu erblickenden Sterne langsam anwächst. Fangen sie also bereits in der Abenddämmerung an, nach Sternen Ausschau zu halten. Zunächst werden sich nur die hellsten Objekte zeigen, wodurch sie leichter zu bestimmen sind. Langsam wird die Zahl der Objekte dann anwachsen, doch da man sich bereits an bestimmte markante Punkte gewöhnen konnte, wird es sicher weniger verwirrend wirken, als den Gesamthimmel auf einmal zu betrachten.

    
   


    

Zusammenfassend lässt sich sagen:

    
   
 

erste Beobachtungen beginnen damit, sich geeigneter Kleidung zu bedienen, sich eine angenehme Beobachtungsposition zu schaffen, einen geeigneten Standort zu finden und eine drehbare Sternkarte sein Eigen zu nennen. Nach dem man den Augen bereits in der Abenddämmerung Gelegenheit gegeben hat, sich an die zunehmende Dunkelheit zu gewöhnen, werden die Himmelsrichtungen und Sternbilder bestimmt, wichtige Sterne und deren Namen ausgemacht und deren Bewegung verfolgt. Dabei lernen sie schnell, die "fixen" Gestirne von denen, die sich, wie z.B. die Planeten, vor ihnen bewegen zu unterscheiden. Sie machen sich mit dem Lauf der Sonne und des Mondes vertraut und verschaffen sich so mit immer schnelleren Blicken Ordnung am Himmel und sind alsbald bereit für den nächsten Schritt:

 

 

 
Mit bloßem Auge und Fernglas dem Himmel ein Stück näher rücken!

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Berlin, im September 2002